Montag, 29. Juni 2009

Kleine Einblicke

Soooo, jetzt hab ich alle Technik und alle Passwoerter zusammen, um ab und zu mal ein Bildchen oder zwei hochzuladen. Um eine Beschreibung der Bilder zu lesen, muesst ihr die Maus einfach eine kleine Weile auf dem Bild ruhen lassen und ein kleiner Titel erscheint.


In Turfan haben wir uns noch einen privaten Fahrer organisiert, der uns zu den eher schwieriger zugaenglichen Sehenswuerdigkeiten der Gegend gefahren hat. Er war ein kleiner Halsabschneider und Luegenbold, aber was soll's - wegen dieser kleinen Schoenheiten sind wir ja nunmal nach Turfan gefahren. Turfan selbst ist sonst schon sehr muslimisch und in dem Sinne arabisch angehaucht - man sieht relativ wenige Han, die Mehrheit sind Wei, es gibt schoene Maerkte mit Tuchen, Teekesseln, Klamotten aller Art und leckeres Futter!!! Ein Koenigreich fuer einen Lammmampfer wie mich! Endlich kein Schwein mehr!

Kaum radelt man ein paar Meter aus dem Stadtzentrum hinaus, schon ist fast nur noch Wueste, waere da nicht das clevere Bewaesserungssystem Xinjiangs - die Karez - erfunden worden. Das sind unterirdische Kanaele, in denen das Grundwasser an die benoetigten Stellen geleitet und von dort an die Oberflaeche und weiter verteilt wird. Somit sind entlang der Strasse fette gruene Maisfelder und vor allem Weinreben zu sehen. Die Region
ist bekannt fuer ihre Rosinen. Ansonsten gibt es noch eine alte Wuestenstadt, die langsam vor sich hin verfaellt, das muslimische Dorf Tuyuq, die Feuerberge, die Wuestenstadt Gaochang uns so weiter und so fort dort zu besuchen. Ein Tripp dort hin lohnt sich alle Mal!

Von Turfan gings dann fix nach Urumqi, wo am naechsten Tag Andrew sich unserer kleinen Gruppe fuer eine Woche anschloss. Urumqi selbst hat gar nicht, aber wirklich gar nichts zu bieten. Im Zuge der Umsiedlungskampagnen, die zum Ziel hatten den Einfluss der Partei und die Erschliessung der riesen Oelreserven zu garantieren, wurden tausende von Han dort hin umgesiedelt, man sieht kaum Uiguren und Urumuqi ist eine chineisische Chaosstadt wie jede andere auch...Aber wir sind ja dort hin, um gleich weiter an den Himmelssee ca 2 Busstunden entfernt zu fahren. Und es war grossartig!!! Eine ca ein-stuendige Wanderung fuehrt hoch zum See (natuerlich gibt es fuer die effktive Art des chinesischen Tourismus auch eine Seilbahn - raus aus dem Bus, hoch an den See, essen, Photos schiessen, rein in den Bus und zurueck ins Hotel...) und eine weitere knappe Stunde spaeter ist man in Rashit's Camp angekommen. Weit weg vom chinesischen Rummel, ohne Strom, nur der See vor der Jurte, ein bollernder Ofen in der Jurte, jede Menge warme
Decken, Ziegen, Kuehe und Schafe drum herum und drei Malzeiten am Tag fuer 5 Euro die Nacht! Der Himmel ist sooo nah! Zum Glueck hatten wir zwei Naechte dort eingplant und konnten somit die Ruhe und die Natur ohne Zeitdruck geniessen. Wir sind einen ganze Tag lang auf einen der nahe gelegenen Berge geklettert (natuerlich ohne Wanderwege, immer quer Feld ein), haben den Schaf- und Kuhhirten dabei zugeschaut, wie sie ihr Vieh auf die fetten Almen getrieben haben und jede Menge Sonne getankt. Jeder Zeit wieder da hin und auch gerne laenger! Asmat, einer der dort lebenden, hat uns auch recht offensichtlich seine Abneigung gegenueber den Han gezeigt - "die haben ein kleines Problem im Kopf"...



Nach gestriger 24-stuendiger Zugfahrt sind wir nun am fast westlichsten Ende Chinas, in Kashgar, angekommen. Bis jetzt gefaellt mir die Stadt sehr - kaum Han,



schoene Moscheen, Maerkte und ein Altstadt, die kurz vor dem Abriss steht. Die chinesische Uebernahme (manche nennen es Entwicklung) Xinjiangs laeuft in vollem Gange und bald ist nix mehr davon uebrig...Also: Fix in Flieger und jetzt angucken kommen!

Der Franz

Donnerstag, 25. Juni 2009

Wie spaet ist es eigentlich?

Inzwischen sind wir im Herzen Xinjiangs, in Urumqi. Und sind auch schon fast wieder weg. Aber langsam...

Die Bustour nach Dunhuang war schon ein Erlebnis fuer sich - zum Einen, da ich selbst in Beijing nie so viele Auslaender in einem einzigen Bus getroffen habe und zum Anderen war der Landschaftswechsel entlang der Strecke wunderschoen. Aus Jiayuguan mit den 4000-Meter-Bergen am Horizont raus, eine schnurgerade Strasse durch die Steinwueste mit Huegeln, die schroff wie 3000er waren am Rand der Strasse und dann tauchen auf einmal 150 Meter hohe Sandduenen auf. Einfach so aus dem Nichts. Dunhuang hat also einen riesen Strand vor der Tuer, nur das Meer fehlt. Wenn man eine der Hauptadern der Stadt entlang schaut, gruesst die goldene Wueste. Sobald wie eingecheckt, Fahrraeder geborgt und ein Busticket fuer die Weiterfahrt am naechsten Abend gekauft hatten, fuhren wir auch schnurstracks auf die Sandmassen zu. Da grad Nebensaison ist und wie auch noch Studentenrabatt bekamen, war es dann auch erschwinglich, sich durch den Sand zu quaelen. Man kann auch Kamele reiten, aber das kostet dann wieder unglaublich viel und man bekommt nicht, was man erwartet.

Dieses Stueck Wueste ist dort aufgrund seiner Duenen und aufgrund des soganannten Mondsichelsees so bekannt. Mitten im Sand gibt es eine Quelle und neben ihr eben ein mondsichelfoermiger kleiner See und daneben ein Tempel. Grossartiges Panorama! Wir sind noch eine Weile ueber die Duenenkaemme gewandert um uns dann noch den Sonnenuntergang ueber der Wueste von der ca 1km entfernten Dachterrasse des Silk Road Hotels anzuschauen und dabei einen Mangosaft zu schluerfen. Royal!

Am naechsten morgen ging's dann auf in die Mogao Grotten - die wohl groessten und am besten erhaltenen, von buddhistischer Kunst uebersaeten Grotten. Sehr gut erhalten, da sie von Zhou Enlai vor der Zerstoehrung durch die Roten Garden gerettet wurden. Es zwar sehr strikt dort - man darf keine Photos schiessen und kann sich die Grotten nur im Rahmen einer Fuehrung anschauen, aber es lohnt sich alle Mal! Wunderschoene Farben, Geschichten an den Waenden und jede Menge Buddha-Stauten und Boddhisattva. Am Abend ging's dann mit dem Schlafbus (!!!) weiter nach Turfan.

Turfan ist mit eine der am tiefsten gelegen Staedte Chinas und es wird wunderbar heiss da unten in der Senke...Lockere 42 Grad. Zum Glueck war es morgens um 6 noch nicht so heiss, da wir uns ja erst einmal eine Unterkunft suchen mussten. Dies stellte sich als etwas schwierig heraus, da gerade die Abschlusspruefungen der Mittelschule abgehalten wurden und alle Hotels der Stadt von Schuelern, die extra fuer die Pruefungen aus der Umgebung dort hinkamen, bevoelkert wurden. Nach zwei Stunden Suche fanden wir dann aber noch ein nettes Zimmerchen.

Da Tulufan ueber 2000km von Beijing entfernt ist, ist es dort nicht ganz so einfach mit der Zeit. Offiziell gilt die Peking-Zeit, inoffiziell gibt es aber einen Zeitunterschied von 2 Stunden. Das kann dann schon zu Verwirrungen fuehren...So auch mit unserem Fahrer, der uns die Sehenswuerdigkeiten in der Gegend zeigen sollte, aber zwei Stunden vor der abgemachten Zeit auf uns wartete und dann alles durcheineander gebracht wurde. Leider ist meine Zeit jetzt um und ich muss das mal fix online stellen und spaeter mehr schreiben...

Der Franz

Freitag, 19. Juni 2009

Full circle...

...und ab in die Wueste! Beijing war gestern, eigentlich schon hintervorgestern und heute ist Jiayuguan! Nachdem ich in Beijing alle meine Kisten, Bilder und aehnliches Zeugs abgeschickt, den Kreis mit einem letzten Mal Sushi essen geschlossen hatte, ging's dann am letzten Dienstag endlich los. Erstmal natuerlich mit ewiger Verspaetung, da die auf dem Flugplatz die Flieger nicht rausgelassen haben. Keine Ahnung warum. In Lanzhou (guckt einfach auf der Karte ca 1200km gen Westen von Beijing aus) angekommen, haben wir uns auf den Weg zum Huanghe (Gelber Fluss) gemacht und dort erstmal lecker Teechen getrunken. Einfach so am "Strand" in den Liegestuehlen. Wunderbarer Auftakt! Ansonsten is in Lanzhou nix los - es gibt noch mehrere Moscheen, buddhistische und daoistische Tempel - und wir sind ja dort auch nur hin, weil es billiger war. Am Abend ging's mit dem Nachtzug nach Jiayuguan - nochmal 700km gen Nordwesten.

Hier ist das ehemalige Ende Chinas. Das westliche Ende der Chinesischen Mauer und das letzte Fort vor der Wueste, vor der Wildnis. Alle Sehenswuerdigkeiten und ein Weingut haben wir hier mit dem Fahrrad erradelt und waren somit eine lustige Sehenswuerdigkeit fuer die Locals...
Heiss ist es hier, rings herum nur trockene Steppe und im Sueden der Stadt thront das Qilianshan-Gebirge bis ca 4500 Meter hoch und lockt mit seinen schneebedeckten Gipfeln. Erinnert mich sehr an die Sierra Nevada. Und genau dort sind wir gestern auch hin. Mit dem Zug durch die Steppe und dann fangen auf einmal die Berge an, es geht neben der Bahnstrecke steile 300 Meter bergab zum Fluss und man tuckert so vor sich hin. Hier haben wir als Langnasen auch wieder seltenheitswert und die Augen fallen den Leuten vom Gaffen fast raus. Und wenn wir dann auch noch ihre Sprache sprechen, ist die Verwunderung komplett.

Nach drei Stunden Zugfahrt kamen wir dann in Jingtieshan, einer Mienenarbeiterstadt an, in der an sich nichts, aber auch gar nichts los ist. Aus den Bergen wird dort Eisenerz geholt und dementsprechend gering ist die Frauenrate und die Mienenarbeiter freuen sich im Zug umso mehr ueber die weibliche Zugbegleitung...An sich sind wir dort hoch, um uns den Gletscher des ersten Juli anzuschauen. Dieser war aber nochmals weitere 20km von dem Ort entfernt und die Taxidichte war gleich null. Also half nur Leute anquatschen und fragen, ob sie uns dort hochfahren koennten. Die Halsabschneider haben natuerlich sofort ihre Chance erkannt und verlangen horrende Preise fuer den Tripp. Da das Wetter gestern nicht so toll war, sind wir also nur etwas spzieren gegangen und haben das heutige, wunderbare Wetter abgewartet, wieder jemanden so lange bearbeitet, bis auch uns der Preis passte und sind hoch in die Berge! Und es war grossartig! Kein Mensch, nur ein paar Schafe und schneebedeckte Bergspitzen um uns herum. Um zum Geltscher selbst zu gehen, hatten wir leider nicht genuegend Zeit, aber das Panorama war auch so jeden RMB und jeden brutalen Huckel auf der Strecke wert! Wir sind dort noch ein wenig auf den etwas kleineren Huegeln rumgekraxelt und dann ging's wieder zurueck.

Bilder gibt's leider noch keine, da ich mir erst einen card-reader kaufen muss. Morgen geht's weiter gen Westen - nach Dunhuang und dann ist es nicht mehr weit bis in die Provinz Xinjiang. Bis dahin erstma.
Der Franz

Donnerstag, 21. Mai 2009

Und es gibt sie doch!


Moin allerseits! Lange ist's her, dass ich hier etwas geschrieben habe, aber gut. Vor zwei Wochen war ich wieder unterwegs im Lande für zehn Tage - diesmal in der Provinz Fujian im Süden Chinas. Dort unten gab es endlich schöne Natur, frische Luft, Teefelder UND: Lehmhütten! Aber natürlich nicht Lehmhütten, wie man sie sich aus Afrika vorstellt, sondern riesengroß und fast wie eine kleine Festung ausgebaut. Dies sind die Bauten der Hakka, eine der vielen ethnischen Minderheiten Chinas. In diesen Tulou (土楼,Erdhäusern rein wörtlich) leben zum Teil über 200 Leute. Sie bestehen aus einem großen Innehof mit Viehställen, Brunnen, kleinem Altar und diversen anderen kleinen Häusern. Das Hauptgebäude ist ein bis zu fünf-stöckiger Rundbau aus Lehm, Stroh, Holz und wohl auch der eine oder andere Stein. In diesen Häusern kann man auch übernachten, darf allerdings keinen großen Komfort verlangen - in den Zimmern gibt es ein bis zwei Betten, ein kleines Guckloch und eine Lampe. Zur Notdurft gibt's einen großen Bottich vor der Tür und zum Duschen geht's in die Kneipe nebenan. Sehr lustig!

Die Provinz Fujian ist bis jetzt die, die mir am besten gefallen hat. Berge überall, Tee überall und das Meer direkt vor der Tür. Es ist auch eine recht wohlhabende Provinz, da sie zum einen ob ihrer Schönheit natürlich vom Tourismus profitiert aber vor allem ist die
Gegend durch das Klima sehr gut gestellt. Ausreichend Feuchtigkeit, fast das ganze Jahr über moderate Temperaturen (gut, im Sommer wird's heiß, aber im Winter dafür nicht so verdammt kalt) und von Flüssen durchzogen, so dass jede Menge Obst und Gemüse, vor allem aber Reis und Tee angebaut und exportiert werden.

Die Stadt Xiamen im Süden der Provinz am Meer wurde Ende des 19ten Jahrhunderts vor allem durch den westlichen Einfluss geprägt - jede Menge europäischer Staaten hatten Konsulate und Handelsvertretungen dort unten und prägten das Stadtbild und das der vorgelagerten, AUTOFREIEN!! Insel Gulangyu sehr stark. Bevor jemand meckert - ja, Xiamen ist auch nur eine Insel...Aber ich glaube, ich erzähle den ganzen Spaß im Detail eher später.

Meine Tage hier in Beijing sind nämlich gezählt. In weniger als vier Wochen werde ich mich auf den Weg gen Westen nach Xinjiang, Tibet und zum Schluss Indien machen. Von der Strecke werde ich immer mal wieder versuchen, etwas zu schreiben. Ich sage versuchen, da die inzwischen offensichtlich genug Zeit seit den Olypmischen Spielen vergangen ist, China nicht mehr das ungeteilte westliche Interesse bzw. die Aufmerksamkeit hat und die Firewall wieder höher baut - eigentlich ist blogspot.com gesperrt und ich komme nur über einen Proxy (Hier mal ein großes Danke an Franziska!) drauf.

Ich mache mich jetzt auf den Weg nach Dalian. Ja, ich war schon dort aber ich wollte im Sommer unbedingt noch einmal dort hin und da die Flüge grad so schön billig sind, geht's los! Sonne, Strand und Meer!

Der Franz

Dienstag, 7. April 2009

Wochenendausflüge

Seit neuestem strukturiere ich mir meine Woche immer so, dass ich wenigstens einen Tag am Wochenende komplett frei habe und nichts für die Uni machen muss. Das funktioniert
so weit ganz gut und somit überleg ich mir immer wieder neue Ausflugsziele. Diese gehen dann von Erkundungstouren durch Beijing und seine Hutongs, die Parks und durch DIE Teestraße (Malian Dao, 马连道) in Beijing, in der ich mich auch ordentlich mit Tee eingedeckt und auf chinesische Art Tee aufbrühen gelernt habe, über Touren nach Tianjin und nun am verlängerten letzten Wochenende in die chinesische Provinz.

Mein Lieblingsmitstreiter hier war vor ca. drei Jahren zum ersten Mal in China und hat zu dieser Zeit über die Jesuiten vermittelt in einem katholischen Nonnenkloster englisch gelehrt. Vor zwei Jahren war er über einen Austausch noch einmal dort und nun haben wir die Nonnen zusammen dort besucht. Wir fuhren erst mit dem Zug sechs Stunden nach Süden in die Stadt Handan (邯郸) und dann nochmals zwei Stunden mit dem Bus gen Osten nach Daming (大名). Da unten, bzw auch schon auf dem Weg, sieht man den Entwicklungsstand, der den größten Teil Chinas ausmacht - ungefähr der, den die Vororte von Addis Abeba haben. Ich fühlte mich an vielen Stellen tatsächlich an Äthiopien und auch Swaziland erinnert - jetzt, da es auch langsam wieder wärmer und staubiger wird. Außerhalb der großen Städte ist China einfach noch Entwicklungsland. Es gibt zwar keine Lehmhütten und überall wird abgerissen, neu gebaut, bewässert und es herrscht ein reges Treiben und Wuseln, aber der Müll und Dreck liegt überall herum, der Kleinsthandel floriert, man wird als Ausländer noch ordentlich angegafft und die meisten gehen auf rudimentäre öffentliche Toiletten. Der Verkehr ist gewohnt chaotisch, die Gefährte drei-rädrig (aber viele Elektro(!!!)roller) und an der Stelle, an der man in z.B. Äthiopien auf der Landstraße auf Rinder, Ziegen oder ähnliches Nutztier, das die Straße überquert, aufpassen muss, fahren und laufen dort ständig Leute über die Straße oder kommen einem einfach Geisterfahrern gleich entgegen - ein ewiges Zick-Zack, Ausweichen und Hupen.

Da Religion in China bekanntlich Staatsreligion heißt, bewegt sich auch die katholische Kirche hier auf einem schmalen Grat. Es gibt hier die sogenannte Erste Kirche, die sich ganz klar zur Staatsraison bekennt und angeblich mitunter Parteifloskeln in der Kirche aufhängt, die Zweite Kirche, zu der die Gemeinde in Daming gehört und die keinen offiziellen Kontakt mit Rom hat und vom Staat geduldet wird und dann gibt es noch die Dritte, die Untergrundkirche, die ganz strikt dem Vatikan folgt und nur insgeheim existiert. Jedenfalls habe ich es mir so erklären lassen und wenn hier etwas falsch ist, immer her mit den Korrekturen. Die Nonnen dort betreiben ein Altersheim, ein Heim für geistig bzw körperlich Behinderte und natürlich Missionsarbeit - in China nimmt, im Gegensatz zu Deutschland, die Zahl der Kirchenmitglieder wohl stetig zu. Wir nahmen auch an der Messe zum Palmsonntag teil - was ich in Deutschland nie mache, warum nicht in China... Auch eine solche Messe ist in China nicht ohne Geräuschpegel zu bekommen - die Kinder flitzen und rufen durch die Gegend und man unterhält sich gern. Die Nonnen dort haben sich wunderbar um uns gekümmert, auch wenn es teilweise ein wenig zu viel war. Aber diese ganze Gastfreundschaft ablehnen, geht auch nicht.

Zurück in Handan besuchten wir noch den dortigen Pfarrer, der uns ein wenig die „Zielgruppe“ der Gemeinde dort erläuterte - die ohne Hochschulabschluss und nur mit einer ganz grundlegenden Ausbildung versorgten, in ganz einfach Jobs arbeitende bzw. arbeitslose große Masse der Bevölkerung. Sie verfolgen viele Bildungs- und Sozialprojekte und erweitern dadurch ihren Einfluss - an der Stelle, an der der Staat versagt, tut die Kirche dann wichtige Arbeit und die Genossen (oder Schäfchen, wie man's will...) wandern über.

Das letzte Wochenende war das "chinesischste" Wochenende der letzten sieben Monate - von morgens bis abends nur Chinesisch, wahre chinesische Festessen mit dem Pfarrer (...) und dazu die Provinz, von der ich immer nur dachte "Hier muss doch mal jemand aufräumen! Räumt doch einfach mal den ganz Mist hier weg!" Aber diese Massen an Menschen logistisch zu versorgen, braucht noch einiges an Investitionen.

Mittwoch, 18. März 2009

So, jetzt geht's hier mal weiter!

Der Ausnahmezustand Semesterferien, Ines ist hier, Franz zieht um ist jetzt also alles vorbei, der Unialltag hat wieder begonnen und somit kann ich auch hier mal wieder ab und zu ein wenig schreiben. Die Mail über meinen kleinen Trip durch die Mandschurei solltet ihr ja inzwischen bekommen haben (wer nicht, aber gerne will, kann sich ja ma bei mir melden), die Mail über den Geschichtstrip mit Ines kommt noch und nun könnt ihr euch hier ein paar Bilderchen zum Touritrip mit Ines durch Beijing angucken.

In der Uni ist nicht viel los, da ich ja nun einmal einfach weiter studiere. Ich belege zwei Chinesischkurse und zwei zur Physik. Die letzteren beiden werden mir noch ganz schön Arbeit verpassen, da ich die Vorlesung immer ganz schön nachbereiten muss, weil ich im Unterricht selbst leider noch nicht alles verstehe. Und dazu kommen die schönen Aufgaben. Jede Woche neu...

Und ja, ich bin umgezogen. Ich hatte keine Lust mehr, ständig das Gefühl zu haben, überwacht zu werden und mir meine Teelichte wegnehmen zu lassen, da es ja nicht erlaubt ist, ein offenes Feuer im Zimmer zu haben...Jedenfalls bin ich unweit der Uni in eine kleine WG mit zwei anderen Chinesen gezogen, von denen aber meistens nur meine eine Mitbewohnerin da ist, da mein zweiter Mitbewohner für irgendeine Werbefirma arbeitet und oftmals außerhalb zu tun hat. Das ist aber auch besser so, da er raucht und außerdem ein typischer Mann ist - der Klodeckel muss eben offen stehen! Somit erlebe ich jetzt ein wenig mehr "echtes" chinesisches Leben hier. Mit meiner Mitbewohnerin, Po Li, unterhalte ich mich oft über's Essen und habe auch schon jede Menge neuer Vokabeln diesbezüglich gelernt. Sie kocht jeden Abend und ab und zu schau ich ihr ein wenig über die Schulter, um ein mir ein wenig chinesische Kochkunst abzugucken. Wenn ich allerdings etwas westliches koche, dann rümpft sie immer nur die Nase und sagt: "Das trau ich mich nicht zu essen." Meine Salami und auch rohe Zwiebeln auf der Thunfischstulle scheinen sie wirklich zu ekeln...

Unweit meiner Haustür kann ich jeden Tag auf den Markt gehen, mir frisches Obst und Gemüse und nicht ganz so frisches Fleisch kaufen. Wenigstens waren bis jetzt keine Fliegen auf dem Fleisch, aber das kommt vielleicht noch im Sommer...Und wenn ich keine Lust habe, zu kochen, gehe ich einfach in eins der kleinen Schnellrestaurants und esse dort ähnlich gut, wie in der Mensa. In meinem Zimmer kann ich am Tage Vögel, die vor dem Krach der Stadt in die Hinterhöfe flüchten, hören und ein Schwarm Tauben hat täglich einmal Ausflug und pfeift hier durch die Gegend. Heute Abend, da es endlich wieder wärmer wird und das Quecksilber bis auf 27°C(!!!) geklettert ist, zieht eine leichte Brise durch mein offenes Fenster und die Musik einer alten Frau oder eines alten Mannes hallt von den Häuserwänden in mein Zimmer. Ich glaube, der Sommer wird großartig!




















Dienstag, 27. Januar 2009

Sülvesta!!!!

Vorletzte Nacht wurde also endlich auch in China so richtig Silvester gefeiert! Nur dass es hier nicht Silvester, sondern Frühlingsfest (春节), mit dem das neue Jahr nach dem chinesischen Kalender beginnt, heißt. Wieder einmal hat also ganz China für eine gesamte Woche frei, alle fahren nach Hause, reisen durch die Gegend und gucken sich ihr Land an. Deshalb haben Ines und ich auch beschlossen, diese Woche noch in Beijing zu verbringen und uns den Reisestress, die überfüllten Züge und ausgebuchten Hotels zu ersparen.

Die Nacht von 25ten auf den 26ten war schon ein Erlebnis für sich. Am Sonntag selbst wollten wir noch auf den Panjiayuan, ein Antikmarkt im Südosten Beijings, auf dem sonst am Wochenende immer jede Menge los ist und man viele kleine und große Schätze entdecken kann. Diesmal war allerdings so gut wie keiner der Stände offen - alle waren wohl mit den Vorbereitungen für den Abend beschäftigt. Auch der Rest der Stadt war nicht wiederzuerkennen. Straßen, die sonst von Autos vollgestopft sind und man beim Überqueren eben jener höllisch aufpassen muss, waren wie leergefegt, kaum ein Mensch war unterwegs. Nur ab und zu erschraken wir, da einmal mehr ein Chinaböller (höhö) oder ähnliches Schießpulver in die Luft flog. Da wird einem aber tatsächlich teilweise himmelangst, wenn man ewiges Geknalle hört, aber nichts sieht.

Sobald die Sonne untergegangen war (also so gegen 17.30 Uhr), konnten wir auch die ersten Raketen und anderes Feuerwerks bestaunen. Netterweise befindet sich unser Unterschlupf für den Monat, den Ines hier ist, im 18ten Stock und somit hatten wir ein großartigen Überblick über das Geschehen. Mit jeder Stunde, die uns dem Jahr des Rindes näher brachte, nahmen der Geräuschpegel zu und die Intervalle zwischen den schönen bunten Feuerbällen direkt vor unserem Fenster ab. Wir waren froh, dass wir nicht auf der Strasse unterwegs, sonder sicher in unserer Höhle waren, als dann um Mitternacht halb Beijing in die Luft flog! Solch ein Feuerwerk habe ich noch nie gesehen! Circa ein halbe Stunde lang hörte der Höhepunkt des Schauspiels nicht auf, das sich insgesamt über mindestens fünf Stunden hinzog und auch heute Abend weiterging (vor knapp zwei Stunden Flogen Raketen fünf Meter vor unserem Fenster in die Luft, die haben echt ne Macke!).

So, und damit ihr nicht denkt "Der blöde Bauer, hatter mal nen richtiges Feuerwerk gesehen, da geht ihm gleich einer ab...", hier der Beweis! Um den Spannungsbogen komplett zu spannen, müsst ihr euch die Videos allerdings der Reihenfolge nach ansehen! Viel Spaß und Froooooheetttt Neueeeeet!